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Open Source Research & Consulting

18 August 2008

Nat Torkington vom O’Reilly Radar schreibt hier über den allgemeinen Trend zu Open Source Geschäftsmodellen - die nicht nur im Falle von Software und digitalen Gütern, sondern auch für eher klassische Industriezweige angewendet werden. Dies folgt der Idee von den sich zunehmend dezentralisierenden Markt- und Organisationsformen. Gleiches Phänomen beschreibt auch Rod Beckstrom in dem für mein Fachblog “Discovering-the-Starfish” als Grundlage dienendem Buch “The Starfish and the Spider”.

An unzähligen Beispielen z.B. den MP3-Sharing-Diensten und der Musikindustrie zeigt er auf, dass wenn einmal ein dezentrales Open-Source-Angebot auf einem Markt auftaucht, dass dies unausweichlich zu einem Umbruch für die “hierarchischen” Konzepte führt, die ja jeweils auf dem Verknappungsparadigma (im Englischen “Scarcity”) der klassischen Marktordnung bzw. dem asynchronen Informationsparadigma der klassischen Informationsverteilung (”wenige Personen wissen/besitzen etwas, was andere nicht wissen/besitzen, aber gerne wissen/besitzen möchten - und können für die Weitergabe dieser Information Geld verlangen”) basieren.

Dezentralisierte Open-Source-Modelle bieten jedermann, der über sein “Couch-Potato”-Dasein (also nicht nur konsumiert) und dem reinen Eigennutzungsanspruch (also auch akzeptiert, dass andere Gleiches nutzen wie z.B. Templates) hinaus stärker in Themen involviert ist, “an einer Sache” z.B. der Bereitstellung von Musik, der Verbesserung bzw. Verbreitung von Software wie im Falle von Wordpress und seinen Templates mitmacht und somit eine zusätzliche Wertschöpfung durch die Bereitstellung eigener Ressourcen (durch die Promotion oder der aktiven Mitarbeit im Developer-Netzwerk) einbringt, die Möglichkeit, die Güter frei und kostenlos zu nutzen. Das heisst nicht, dass mit Open-Source-Modellen wiederum nichts zu verdienen ist - ganz im Gegenteil. Aber die monetarisierbare Wertschöpfung wandert von dem zentralen Gut über auf die Dienstleistung rund um das Gut - siehe z.B. IBM, SUN oder die Open-Source-Content-Management-Agenturen, die ein gutes Geschäft mit der Beratung und Anwendung von Open-Source-Software machen. Dieses Umdenken bzw. neudeutsch auch “Transformation” ist Gegenstand vieler Industriezweige in den kommenden Jahren.

Auch ich beschäftige mich immer wieder mit dem Open-Source-Gedanken - im Hinblick auf den Unternehmensansatz von [n:sight]. Originäre Reseach-Leistungen haben schließlich einen Aufwand, auf der anderen Seite gibt es schon unzählige freiverfügbare Ressourcen. Auch bietet die Veröffentlichung und der daraus resultierende Feedback einen Mehrwert für den Research - der das originäre Wissensprodukt wiederum nur besser machen kann. Mein bisheriger Ansatz lag aber eher in der Verknappung - freie Herausgabe von Teaser-Informationen und Verkauf der Komplett-Produkte. Das Ergebnis dieses Konzeptes aus den Jahren 2002-2007 folgte dem allgemeinen Trend der Analysten-Branche - es wurden auf der Zeitschiene immer weniger Kompletteinzelstücke verkauft. Nun kann man kritisch sagen, das läge an der fehlenden Qualität, der unzureichenden Markierung oder der schwachen Vermarktung. Im Vergleich mit den Ergebnissen der großen Analystenhäuser, die ihr Wachstum nur noch über Zukäufe, Verbreiterung der Themen und Bündelung bzw. Verteuerung der Einzelprodukte innerhalb von Abo-Leistungen erreichen, glaube ich allerdings, dass die Gründe eher im Wandel des Geschäftes liegen.

Ein Vorreiter in diesem Feld ist der von mir sehr geschätzte James Governor mit seinem Unternehmen “Redmonk” in Großbritannien. Sein Geschäftskonzept ist in der Analyse der ERP- und BPM-Systemmärkte aufgehängt. Der Fokus liegt dabei auch in der Analyse der Produktstrategien der einzelnen Softwarehäuser wie SAP u.a.. Alle Ergebnisse aus seinem Research macht er frei verfügbar - dies akzeptieren auch seine Kunden wie SAP, die ihm durchaus dafür etwas bezahlen, dass er ihre Strategie durchleuchtet und darüber einen Bericht zusammenfasst, der wiederum jedermann zugänglich ist - denn es stellt für SAP ja eine “Informationsleistung” dar.

Nun mag man bei diesem Modell behaupten, dass der Analyst ja auf der Gehaltsliste des Unternehmens steht, was er analysiert - und somit im Zweifelsfall nur positiv über das Unternehmen schreibt. Das kann sich James und seine Partner allerdings nicht erlauben, denn das, was er schreibt, ist für jedermann einzusehen und im Zweifelsfall öffentlich zu widerlegen - womit er durch die Öffentlichkeit immer ein Kontrollorgan hat.

Nun langer Rede kurzer Sinn - n:sight soll auch so einen Geschäftsansatz erhalten - sprich in Zukunft sollen alle Erkenntnisse öffentlich gemacht werden - und die Verknappung dieser Veröffentlichung preislich geregelt sein. Sprich wer nicht möchte, dass die Ergebnisse im Rahmen seines Projektes veröffentlicht werden, muss mehr bezahlen. Damit ist auch klar, dass ich an dieser Stelle die Ergebnisse meiner bisherigen Projekte hier nicht einfach veröffentlichen kann - da es Geheimhaltungspflichte auch für mich gibt. Allerdings werde ich sukzessiv meine alte Studien und Research-Artikel in einem Wiki publizieren und hoffen, dass das Feedback und die Kollaboration mit anderen zu einem Mehrwert für die Information führt.

Bis dahin freue ich mich aber hier schon einmal über das Feedback zu meinen Gedanken.


One Response to ' Open Source Research & Consulting '

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  1. on September 9th, 2008 at 4:01 pm

    [...] hatte ja schon in meinem Beitrag “Open Source Research & Consulting” darüber geschrieben, dass ich die Aktivitäten rund um n:sight in Richtung eines [...]

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