Ma.gnolia macht auf Laconi.ca und wird Open-Source
25 August 2008Die Nachricht ist schon ein paar Tage alt - aber dennoch nicht uninteressant zu diskutieren. Und zwar hat Larry Halff, seines Zeichens Kopf und Gründer von Ma.gnolia, einem Social Bookmarking Dienst, angekündigt (siehe auch Liste der Berichte), die Applikation hinter dem Dienst als Open-Source-Lösung freizugeben. Das Besondere daran ist, dass man bei der angekündigten Open-Source-Version auf ein “Federated Architecture”-Konzept setzt. Sprich die Software läuft in einem Netzwerk von Software-Instanzen, die ihre Daten mit dem zentralen System von Ma.gnolia abgleichen.
Gleiches Konzept liegt auch hinter Laconi.ca, einer Micro-Blogging-Plattform, welche gleichsam als Grundlage von Identi.ca, dem Micro-Blogging-Service (siehe auch Twitter vs Identi.ca) genutzt wird. Dabei fördert diese Architektur die Netzeffekte im Sinne des Reed’schen Gesetzes, denn
die Nützlichkeit [des Netzwerkes] wächst mit der Anzahl der Untergruppen. (aus Thomas Vehmeier’s Präsentation beim Community SUMMIT 2007)
Und jede einzelne Instanz, die ich oder andere zu einer eigenen Themenausrichtung aufsetze/n, verstärkt damit den Nutzen des “Gesamtnetzwerkes” - aber … Nach meinem Verständnis der hier besprochenen Architektur läuft das System da dennoch in eine Falle rein - denn es ist nicht vollends “verteilt” und “dezentral” - wie klassische Peer-2-Peer-Systeme, sondern ist aufgrund des Datenabgleiches zum Hauptdienst hierarchisch strukturiert. Im Sinne meines Fachblogs “Discovering-the-Starfish” und des Buches von Rod Beckstrom ist es eher eine Spinne als ein Seestern. Denn der aggregierte Netznutzen entsteht immer nur bei Ma.gnolia selbst - sprich der Hauptdienst erntet die Früchte der verteilten Subsysteme. Und da stellt sich die Frage, worin die Vorteile für den Betreiber eines Subsystems liegt, da sein Dienst zwar für die Nutzensteigerung des Hauptdienstes zuträglich ist, aber selbst keine Nutzensteigerung durch das Netzwerk erfährt.
Das Konzept der “Federated Architectures” ist damit zwar ein interessanter Ansatz für “schwächelnde” Web 2.0 Dienste (siehe auch kritische Einleitung bei Markus Spath), aber nicht unbedingt interessant den Aufbau eigener Dienstekonzepte. Auch die von Halff angebrachte Idee das Konzept im Rahmen von Unternehmenskonzepten einzusetzen, ist nach meinem Verständnis der angekündigten Architektur für Unternehmen nicht wirklich annehmbar. Denn wenngleich sich Unternehmen im Zuge des Web 2.0 und Enterprise 2.0-Ansatzes öffnen und verändern müssen, wird es bei der Nutzung von Social Bookmarking als unternehmensweiten Ansatz für die Speicherung von interessanten und wichtigen Informationen aus dem externen und internen Web immer auch Informationseinheiten geben, die das “Haus” nicht unbedingt verlassen sollen wie z.B. eine Kommentierung zu internen Dokumenten oder Verlinkungen mit Anmerkungen von Stärken und Schwächen zu Produktinformationen eines Wettbewerbers. Im Falle von Ma.gnolia werden diese Bookmarks aber mit dem zentralen System abgeglichen.
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