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Cisco kauft Jabber und schließt die Lücke zum “Unified Communications 2.0″

21 September 2008

Es ist Sonntag und ich muss ein wenig die Neuigkeiten der Woche aufarbeiten - neben der Banken- und Börsenkrise, der Web 2.0 EXPO in New York und dem Enterprise 2.0 FORUM in Köln war aus Analystensicht vor allem die Ankündigung Cisco’s interessant: So vermeldete Cisco am Freitag, dass sie das Unternehmen Jabber Inc. kaufen werden - über die Kaufsumme wurde Stillschweigen vereinbart.

Nun mag sich der eine oder andere fragen - was ist daran nun so sensationell? Nun - Jabber Inc. ist das Unternehmen hinter dem Kommunikationsprotokoll-Standard XMPP, was einen offenen Standard für die direkte und vor allem Push-orientierte Kommunikation zwischen zwei Messaging-Clients (siehe auch Wikipedia). Hier wird also das Prinzip von http umgedreht - der Informationsbezieher muss nicht mehr regelmäßig abfragen, sondern bekommt die Information geliefert, wenn neue Information vorliegt. Dies reduziert den Transaktionsumfang und die Transaktionsvorgänge beim Messaging - denn die “Leer-Abfragen” (sprich Abfragen des Clients, bei denen gar keine neue Daten vorliegen) entfallen. Wenngleich das Kommunikationsmodell von XMPP weiterhin auf einem asynchronen Modell aufsetzt, ist es nahezu synchronisiert.

Nun gut - also Cisco hat sich eine Firma gekauft, die hinter einem Messaging-Protokoll steckt, was ist aber nun daran so bedeutsam? Das bedeutsame daran ist, dass Cisco damit sein “Unified Messaging”-Ansatz aus der 1.0 Welt in die 2.0 Welt holen wird. Unter dem Slogan “Human Network”vermarktet Cisco seit geraumer Zeit eine “Produktpalette für die konvergente Daten-, Sprach- und Videokommunikation”. Das reicht von klassischem VOIP- über IP-basierte Echtzeit-Anwendungen wie z.B. das ebenfalls hinzugekaufte WebEX - eine Internet-basierte Video-Konferenzlösung - bis runter zu den Infrastruktur-Lösungen der IP-Kommunikation. Die Integration aller IP-basierten Sprach-, Video- und Daten-Anwendungen in einem interoperablen Lösungsangebot bzw. einheitlichen Anwendungsumgebung bezeichnet man dabei als “Unified Communications“.

Klassisches “Unified Communications” (auch kurz UC) basiert auf den Prinzipien des “Internet 1.0″ - proprietäre Standards, individuelle Kommunikationsvorgänge und “Not-Always-On”. Sprich IP-Kommunikation ist eine Anwendung, die bei Bedarf in Anspruch genommen wird und von 1:1 bis m:n-Kommunikationsvorgänge abbilden kann. Das ist aber nicht mehr “Web 2.0″-kompatibel - denn immer mehr Personen sind “always on” und Applikationen wie Instant Messenger oder gar Dienste wie Twitter et al. dienen dazu, unseren Online-Status in die vernetzte Welt zu melden bzw. uns die Möglichkeit zu geben, Status-Informationen in die Welt zu senden. Dies bietet den Vorteil, dass mein Netzwerk (sprich die Personen, denen ich es erlaube!) sieht, dass ich online bin und jederzeit mit mir in Kontakt treten kann bzw. im Falle von Twitter “Hintergrund”-Informationen über mich und meine Aktivitäten erfahren (siehe hierzu auch meinen Beitrag im NotizBlog der SocialWeb WORLD). Man spricht hier von Presence-Anwendungen und die UC-Spezialisten haben schon lange danach geschrieen, dass diese Prinzipien im klassischen UC fehlen. Bisherigen Lösungsansätzen fehlte hierzu aber die Interoperabilität und Offenheit. Siehe auch hierzu folgende Beiträge:

Dementsprechend sieht Mike Gotta die Kaufentscheidung von Cisco auch wie folgt:

This is a bold move by Cisco (given it’s commitment to SIP) to expand industry thinking around presence as well as expanding its thinking around real-time applications given the type of development capabilities made possible with XMPP.

Der Einkauf von Cisco stellt also einen bemerkenswerte Verschiebung im Web 2.0 Anbietermarkt dar. Während die einschlägigen Quellen der Web 2.0 Community vor allem auf die kurzfristigen Web-Integrationspotentiale abstellen …

… stellt die Integration der Firma und der Kompetenz von Jabber in Cisco für mich zwei wesentliche Veränderungen dar. Zum einen den Wandel des UC-Marktes hin zu einem “Unified Communications 2.0″, bei dem Presence-Anwendungen mit der klassischen IP-Kommunikationsinfrastruktur verheiratet wird. Zum anderen hat der Einkauf Cisco’s aber auch einen Einfluss auf die Adoption der Web 2.0 Idee in den Unternehmen! Denn damit werden über die bestehende IP-Infrastruktur von Cisco in den Unternehmen die Web 2.0 Ideen einen besseren und vielleicht schnelleren Einzug finden und dort zum Kulturwandel im Hinblick auf das “Enterprise 2.0″ unterstützend wirken können. Den IP-Telefonie und -Anwendungsumgebungen gekoppelt mit dem Presence-Ansatz wird zu mehr Transparenz und “technisch-vermittelter Nähe” unter den Mitarbeitern in den Unternehmen führen. Wie schon im Notizblog gesagt, sehe ich bei Twitter et al. und dem durch diese Dienste initiierten Hintergrund-Rauschen einen hohen Bindungs- und Agenda-Setting-Nutzen, die die Form der internen Kommunikation und Kollaboration nachhaltig verändern wird.

Daher hat der Kauf für mich schon Potential für etwas Sensationelles, was damit begonnen bzw. initiert werden kann.


3 Responses to ' Cisco kauft Jabber und schließt die Lücke zum “Unified Communications 2.0″ '

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  1. bn said,

    on September 25th, 2008 at 1:17 pm

    Ok - und nun hat Cisco sein Collaboration-Protfolio auch neu aufgestellt: http://www.silicon.de/software/business/0,39039006,39196783,00/cisco+stellt+neues+collaboration_portfolio+fuer+web_2_0_aera+vor.htm#

  2. MVC said,

    on October 9th, 2008 at 1:30 pm

    Interessante Ansichten/Prognosen. Letztlich war es IMHO nur noch eine Frage der Zeit bis Cisco entsprechend reagierte. Die vermeintlichen Motive z.B. in Hinblick auf IP-Tel feat. Telepresence sind so neu ja nicht in unserer Branche. Hinsichtlich “…´technisch-vermittelter Nähe´ unter den Mitarbeitern..:” in der istitution, in der es Anwendung findet, wird es sicher führen - aber zu “Transparenz”…?! Hmm….

    Sandra
    MVC

  3. bn said,

    on October 9th, 2008 at 2:00 pm

    Hallo Sandra - schon mal getwittert? Versuch es mal. Insbesondere wenn man Desktop-Tools wie Twirhl nutzt, ist man einfach nebenbei mehr auf dem Laufenden, was in dem eigenen Netzwerk so passiert. Und das verstehe ich dann unter mehr Transparenz - es ist wie der Schnack am Kaffeeautomat oder die Flurgespräche - nur dass ich meinen Arbeitsplatz nicht verlassen muss. Sicherlich ist da auch viel Rauschen, wofür man seine eigenen Filter entwickeln muss, um nicht abgelenkt zu werden, aber was dann am Ende “durchsickert”, kann für die Kollaboration sehr wertvoll sein.

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